> Die Sauerstofftherapie
Die Umgebungsluft besteht aus 78% Stickstoff, 21% Sauerstoff und 1% Edelgasen.

Der Umgebungsluftdruck beträgt ca. 760 mmHg.

Davon entfallen 78% auf den Stickstoff (= 592,8 mmHg), 21% auf den Sauerstoff (= 159,6 mmHg) und 1% auf die Edelgase = (7,6 mmHg).

Dieses Gasgemisch atmen wir ein. Da das Gewebe keinen Sauerstoff speichern kann, muss jede der ca. 70 Billionen Zellen des menschlichen Körpers permanent mit Sauerstoff versorgt werden.

In der Lunge beträgt der Sauerstoffdruck noch 152 mmHg.

In den Alveolen beträgt der Sauerstoffdruck noch 105 mmHg.

Das venöse Blut tritt mit 40 mmHg Sauerstoffdruck in die Lungenkapillaren.

Es herrscht ein Partialdruckgefälle von 105 auf 40 mmHg. Nach dem Diffusionsgesetz sind die unterschiedlichen Drücke bestrebt, sich anzugleichen. Sauerstoff diffundiert entlang des Druckgefälles von den Alveolen in die Lungenkapillaren.

In den Lungenkapillaren befindet sich der Sauerstoff zunächst in physikalisch gelöster Form. Erst wenn der Anteil des physikalisch gelösten Sauerstoffes in den Alveolkapillaren ansteigt, geht der Sauerstoff eine chemische Verbindung mit dem Hämoglobin ein.

Nach dieser Arterialisierung des Blutes beträgt der Sauerstoffdruck am arteriellen Ende der Alveolkapillaren 95 mmHg. Mit dem Blutstrom gelangt das Sauerstoffmolekül in die Kapillargefäße des Gewebes. Am arteriellen Ende des Kapillargefäßes beträgt der Sauerstoffdruck noch 90mmHg.

In den Mitochondrien der kapillargefäßnahen Zellen wird Sauerstoff verbraucht. Der Sauerstoffdruck sinkt ab. Es herrscht ein Partialdruckgefälle.

Nach dem Diffusionsgesetz sind die unterschiedlichen Drücke bestrebt, sich anzugleichen. Der physikalisch gelöste Sauerstoff diffundiert entlang des Druckgefälles durch die Kapillarwände, durch die Zellwände und durch die Zellflüssigkeit in die Mitochondrien. Das Sauerstoffmolekül ist am Ende seines Weges angekommen.

Der Anteil des physikalisch gelösten Sauerstoffes in den Kapillaren sinkt ab. Erst jetzt lösen sich die chemisch an das Hämoglobin gebundenen Sauerstoffmoleküle und befinden sich in physikalisch gelöster Form im Blut. Jede Zelle entlang des Kapillargefäßes wird so mit Sauerstoff versorgt.

Der Sauerstoffdruck im Kapillargefäß sinkt bis zum venösen Ende auf 40 mmHg ab. Es leuchtet ein, dass die Zellen am Beginn des Kapillargefäßes besser versorgt werden als die Zellen am Ende des Kapillargefäßes.

Da aber von einem Kapillargefäß nicht nur eine Reihe Zellen versorgt wird, sieht das Sauerstoffangebot für die kapillargefäßfernen Zellen wesentlich ungünstiger aus.

Noch einmal ein Schritt zurück.

Am arteriellen Ende des Kapillargefäßes herrscht ein Sauerstoffdruck von 90 mmHg. Sauerstoff diffundiert so lange in die benachbarten Zellen, bis eine Ausgewogenheit in den Druckverhältnissen erreicht ist.

In den kapillargefäßnahen Zellen herrscht also ein Sauerstoffdruck von 45 mmHg. Die kapillargefäßferne Zelle lebt von der Druckdifferenz zu der kapillargefäßnahen Zelle.

Es herrscht ein Partialdruckgefälle.

Nach dem Diffusionsgesetz sind die unterschiedlichen Drücke widerum bestrebt, sich anzugleichen. Es diffundiert Sauerstoff von den kapillargefäßnahen Zellen in die kapillargefäßfernen Zellen, bis eine Ausgewogenheit erreicht ist.

Die kapillargefäßferne Zelle (zweite Reihe) erhält demnach nur noch 22,5 mmHg Sauerstoff. Die Versorgung noch weiter vom Kapillargefäß entfernter Zellen verschlechtert sich dementsprechend nach folgendem Muster:

Arterielles Ende: 90 mmHg

– 1. Reihe Zellen: 45 mmHg

– 2. Reihe: 22,5 mmHg

– 3. Reihe: 11,25 mmHg.

Am venösen Ende der Kapillaren sieht die Sauerstoffausbeute wie folgt aus:

Venöses Ende: 40 mmHg

– 1. Reihe Zellen: 20 mmHg

– 2. Reihe: 10 mmHg

– 3. Reihe: 5 mmHg.

Selbst in einem vollkommen gesunden Organismus gibt es Bereiche, in denen der Sauerstoffdruck und damit die Sauerstoffversorgung gegen Null abfällt. In der Medizin nennt man solche Bereiche "tödliche Ecke" oder "letzte Wiese".

Aber warum nun eine Sauerstofftherapie?


Durch Rauchen, sonstige Genussgifte, Umwelteinflüsse, Stress, falsche Ernährung, Bewegungsarmut, Medikamente, vereinfacht "nicht artgerechte Lebensweise" oder durch schlichtes Altern kann sich der Sauerstoffdruck in den Gefäßen verschlechtern.

Wie im vorigen Abschnitt beschrieben, können Zellbereiche, selbst bei normalem Sauerstoffdruck, unterversorgt sein. Bei einem durch einen niedrigen Sauerstoffdruck bedingten Sauerstoffmangel, vergrößern sich die Zellbereiche, welche unterversorgt sind. Die Wahrscheinlichkeit von Erkrankungen steigt, bestehende Erkrankungen können sich verschlechtern, die Regenerationsfähigkeit kann absinken und Alterungsprozesse können früher und oder verstärkt auftreten.

Wieso nun verschlechtert sich die Zellversorgung mit Sauerstoff?

Durch den niedrigen Sauerstoffdruck erhalten die Zellen weniger Sauerstoff und damit weniger Energie. Die K+/Na+ -Pumpe, welche je nach Zelltyp ca. 30% bis 70% der Zellenergie benötigt, nimmt in Ihrer Leistung ab. Die K+/Na+ -Pumpe kann nicht mehr alle Natriumionen abbauen. Die Kapillargefäßwände reichern sich mit den von einer Wasserhülle umgebenen Natriumionen an und quellen auf.

Durch diese Quellung verringert sich der Kapillarquerschnitt, weniger Blut strömt pro Zeiteinheit an den Zellen vorbei. Gleichzeitig vergrößert sich durch die Quellung die Diffusionsstrecke, sodass weniger Sauerstoff pro Zeiteinheit in die Zellen diffundieren kann. Beide Faktoren, die Verengung des Kapillarquerschnittes und die Verlängerung der Diffusionsstrecke führen zu einer Unterversorgung der Zellen mit Sauerstoff.

Hier setzt nun die Wirkung der verschiedenen Sauerstoffinhalationstherapien an.

Zur Wiederholung:


Der Luftsauerstoffanteil von 21% entspricht einem Sauerstoffpartialdruck von 159,6 mmHg und erzeugt in den Alveolkapillaren am arteriellen Ende einen Sauerstoffdruck von 95 mmHg. Wird nun der Anteil des Sauerstoffes in der Umgebungsluft erhöht, (bei der Sauerstoffinhalationstherapie auf über 95%), so erhöht sich das Druckgefälle zwischen Alveole und Alveolkapillaren. Der Anteil an physikalisch gelöstem Sauerstoff steigt. Genau dies wird während der Sauerstoffinhalation erreicht.

Durch die Inhalation von reinem Sauerstoff erhöht sich im gesamten Kapillarsystem der Sauerstoffdruck. Die Zellen erhalten mehr Energie.

Dieser Effekt ist jedem Mediziner bekannt. Kein Arzt, kein Wissenschaftler bestreitet diesen durch die Physik zwingend vorgeschriebenen Prozess.

Wie aber wird aus der Sauerstoffinhalation, wie sie in Notfällen durchgeführt wird, eine Sauerstoffinhalationstherapie mit lang anhaltender Wirkung, wie sie von vielen Therapeuten angewandt wird?

Der entscheidende Unterschied liegt in der Inhalationsdauer. Bei der normalen Notfallinhalation wird der Sauerstoff zwischen einigen Minuten bis zu ein, zwei Stunden verabreicht.

Zu kurz, um eine therapeutische Wirkung auf die Mikrozirkulation zu haben. Wie oben beschrieben, liegt die Ursache für eine verminderte Zellversorgung in der durch Energiemangel gequollenen Kapillarwand. Um nun die Kapillargefäßwandquellung zum Abschwellen zu bringen, muss den Zellen mehr Energie zugeführt werden, als sie für die normale Funktion benötigen.

Erst dann steht genug überschüssige Energie zur Verfügung, damit die K+/Na+ -Pumpe die von einer Wasserhülle umgebenen Natriumionen abbauen kann. Die Kapillargefäßwände quellen ab. Der Kapillargefäßwandquerschnitt vergrößert sich. Die Sauerstoffdiffusionsstrecke verringert sich.

Die Zellen in erster, zweiter und jeder weiteren Reihe erhalten mehr Energie. Die Gefahr von Entartungen sinkt.

Dieser therapeutische Effekt der Sauerstoffinhalation tritt nicht bei einer Inhalationsdauer von ein bis zwei Stunden auf. Die Mindestinhalationsdauer, um eine lang anhaltende Wirkung zu erzielen, liegt bei 36 Stunden Inhalation von molekularem Sauerstoff in Ruhe. Verteilt auf 18 Tage á 2 Stunden mindestens drei mal die Woche.

Noch einmal in aller Deutlichkeit:

Wenn die Kapillargefäßwandquellungen durch die Inhalation von Sauerstoff abgeklungen sind, so quellen die Kapillargefäßwände nicht über Nacht wieder auf. Erst durch erneute "nicht artgerechte Lebensweise" wird den Zellen wieder Energie entzogen und der schleichende Quellvorgang beginnt von vorne. Bis der schlechte, prätherapeutische Zustand wieder erreicht ist, vergehen, je nach Lebensweise und Gesundheitszustand, zwischen 6 und 18 Monate.

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